SKR03 oder SKR04 – der Kontenrahmen im Handwerk
Warum dein Steuerberater von „8400" oder „4400" spricht, wie die beiden Standardkontenrahmen aufgebaut sind und welcher für deinen Betrieb sinnvoll ist.

Was ist ein Kontenrahmen?
Ein Kontenrahmen ist ein Nummernsystem für die Buchhaltung. Jeder Geschäftsvorfall wird auf ein Konto gebucht, und jedes Konto hat eine Nummer. So bedeutet „8400" im SKR03 immer dasselbe: Erlöse mit 19 % Umsatzsteuer – egal, ob der Betrieb Fliesen legt oder Dächer deckt.
Zwei Standardkontenrahmen der DATEV dominieren in Deutschland:
- SKR03 – nach dem Prozessgliederungsprinzip aufgebaut, orientiert am betrieblichen Ablauf.
- SKR04 – nach dem Abschlussgliederungsprinzip aufgebaut, orientiert an der Struktur des Jahresabschlusses nach HGB[1].
Inhaltlich leisten beide dasselbe. Der Unterschied liegt in der Sortierung. Welche Pflichten drumherum gelten, steht in der Übersicht zur Buchhaltung im Handwerk.
Der Aufbau im Vergleich
| Klasse | SKR03 (Prozessgliederung) | SKR04 (Abschlussgliederung) |
|---|---|---|
| 0 | Anlagevermögen und Kapital | Anlagevermögen |
| 1 | Finanz- und Privatkonten | Umlaufvermögen |
| 2 | Abgrenzungen, neutrale Aufwendungen und Erträge | Eigenkapital |
| 3 | Wareneingang und Bestände | Fremdkapital |
| 4 | Betriebliche Aufwendungen | Betriebliche Erträge |
| 5–6 | (in Klasse 4 enthalten) | Betriebliche Aufwendungen |
| 7 | Bestände an Erzeugnissen | Weitere Erträge und Aufwendungen |
| 8 | Erlöskonten | (nicht belegt) |
| 9 | Vortrags- und statistische Konten | Vortrags- und statistische Konten |
Die Eselsbrücke: Im SKR03 liegen die Erlöse in der 8, im SKR04 in der 4. Wer aus dem Handwerk kommt und schon einmal eine Auswertung gesehen hat, erkennt den Kontenrahmen meist an genau dieser Stelle.
Welcher passt zu deinem Betrieb?
Ehrliche Antwort: Das entscheidet in der Praxis dein Steuerberater, nicht du. Trotzdem lohnt es sich zu wissen, warum:
- SKR03 ist der Klassiker bei kleinen und mittleren Betrieben, die per EÜR abrechnen. Er bildet den Weg vom Einkauf über die Verarbeitung bis zum Erlös ab – für handwerkliche Abläufe intuitiv.
- SKR04 ist üblich bei bilanzierenden Betrieben, GmbHs und UGs. Weil seine Reihenfolge der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung folgt, ist der Jahresabschluss schneller erstellt.
Ein Wechsel ist möglich, aber sinnvollerweise nur zum Jahreswechsel: Alle Konten werden umgeschlüsselt, Auswertungen aus Vorjahren sind sonst nicht mehr vergleichbar.
Die wichtigsten Konten im Handwerk
Diese Konten tauchen in fast jeder Handwerksbuchhaltung auf:
| Vorgang | SKR03 | SKR04 |
|---|---|---|
| Erlöse mit 19 % Umsatzsteuer | 8400 | 4400 |
| Erlöse aus Bauleistungen nach § 13b UStG (Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers) | 8337 | 4337 |
| Wareneingang bzw. Materialeinkauf mit 19 % Vorsteuer | 3400 | 5400 |
| Löhne | 4110 | 6010 |
| Laufende Kfz-Kosten | 4530 | 6530 |
Die genaue Kontonummer kann je nach DATEV-Version und Branchenvariante abweichen. Stimm die Kontierung deshalb mit deinem Steuerberater ab, bevor du dir eigene Regeln zurechtlegst.
Was das für deinen Betriebsalltag bedeutet
Du musst als Handwerker nicht kontieren können. Zwei Dinge erleichtern die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater aber enorm:
- Erlöse sauber trennen. Leistungen mit 19 % Umsatzsteuer, Bauleistungen nach § 13b und – falls einschlägig – ermäßigt besteuerte Umsätze gehören auf unterschiedliche Konten. Das gelingt nur, wenn schon die Rechnung den Fall korrekt abbildet.
- Belege eindeutig zuordnen. Ein Beleg, der Projekt, Datum und Betrag klar erkennen lässt, ist in Sekunden kontiert. Einer, der erst zugeordnet werden muss, kostet Honorar. Wie du das systematisch aufsetzt, steht unter GoBD im Handwerk.
Beides wird deutlich einfacher, wenn du eine saubere Materialverwaltung und klare Nummernkreise nutzt.
Sauber raus heißt sauber gebucht
Rechnungen mit korrektem Steuersatz, § 13b-Hinweis und fortlaufender Nummerierung – in Hawepro entstehen sie so, dass dein Steuerberater sie ohne Rückfragen verbuchen kann.
FAQ: SKR03 und SKR04
Ist ein Kontenrahmen gesetzlich vorgeschrieben?
Nein. Vorgeschrieben ist eine nachvollziehbare, geordnete Buchführung[2]. Standardkontenrahmen sind Konvention, keine Pflicht – sie machen die Zusammenarbeit mit Steuerberater und Finanzamt aber erheblich einfacher.
Gibt es einen speziellen Kontenrahmen fürs Handwerk?
Es gibt Branchenkontenrahmen, etwa für das Baugewerbe. In der Praxis arbeiten die meisten Handwerksbetriebe trotzdem mit SKR03 oder SKR04, ergänzt um einzelne betriebsindividuelle Konten.
Kann ich mitten im Jahr wechseln?
Technisch ja, sinnvoll nein. Ein Wechsel zum Jahreswechsel hält die Auswertungen vergleichbar und erspart Umschlüsselungen in laufenden Auswertungen.
Was ist eine BWA und was hat sie mit dem Kontenrahmen zu tun?
Die betriebswirtschaftliche Auswertung fasst die Kontensalden zu Kennzahlen zusammen. Sind Erlöse und Kosten falsch kontiert, ist auch die BWA falsch – und damit deine Einschätzung, ob der Betrieb gerade Geld verdient. Passende Kennzahlen dazu findest du unter Deckungsbeitrag.
Brauche ich eigene Konten pro Gewerk oder Baustelle?
Dafür gibt es die Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung. Sie läuft neben dem Kontenrahmen und zeigt dir, welches Projekt sich gerechnet hat – im Alltag übernimmt das meist die Projektauswertung deiner Software.
Stand: September 2026. Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Steuerberatung. Die konkrete Kontierung stimmst du mit deinem Steuerberater ab.
Quellen und Fußnoten
§ 266 HGB – Gliederung der Bilanz, https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__266.html ↩︎
§ 145 AO – Allgemeine Anforderungen an Buchführung und Aufzeichnungen, https://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__145.html ↩︎