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Datanorm einfach erklärt – vom Großhändlerkatalog zum Angebot

Datanorm ist das Standardformat, mit dem Großhändler und Hersteller ihre Artikel, Preise und Texte an Handwerksbetriebe liefern. Hier erfährst du, welche Dateien dazugehören, was in ihnen steht, worin sich Datanorm 4 und 5 unterscheiden und wie aus Listenpreis und Rabattgruppe dein echter Einkaufspreis wird.

Illustration – Artikeldaten fließen als Datanorm-Datei vom Großhandel in die Handwerkersoftware

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Datanorm ist ein Dateiformat für Artikelstammdaten: Artikelnummer, Bezeichnung, Langtext, Einheit, Preis, Rabatt- und Warengruppe.
  • Eine Lieferung besteht meist aus DATANORM.001 (Artikel), DATPREIS.001 (Preise), DATANORM.RAB (Rabattgruppen) und DATANORM.WRG (Warengruppen).
  • Im Umlauf sind Datanorm 4 und Datanorm 5. Gute Software liest beide.
  • Dein Einkaufspreis steht selten direkt drin: Er ergibt sich aus Listenpreis, Preiseinheit und Rabattgruppe.
  • Datanorm ist eine Datei, keine Live-Verbindung. Für tagesaktuelle Preise und Bestellungen gibt es IDS-Connect.

Was ist Datanorm?

Datanorm ist ein standardisiertes Dateiformat, mit dem Hersteller und Großhändler ihre Artikelstammdaten an Handwerksbetriebe und deren Software weitergeben. Es ist vor allem im Bau- und Ausbaugewerbe verbreitet – in SHK, Elektro, Malerhandwerk und im Baustoffhandel, in Deutschland und Österreich[1].

Die erste Fassung erschien 1986, es folgten Version 3 (1990), Version 4 (1994) und Version 5 (1999)[1:1][2]. Gepflegt wird das Format vom Datanorm-Arbeitskreis[1:2][3].

Der Nutzen ist simpel: Statt Artikelnummern, Bezeichnungen und Preise aus Katalog oder Webshop abzutippen, liest deine Handwerkersoftware das komplette Sortiment deines Großhändlers ein. Beim Schreiben eines Angebots suchst du dann nur noch nach Artikelnummer oder Bezeichnung und übernimmst den Artikel mit Text und Preis.

Welche Dateien gehören zu einer Datanorm-Lieferung?

Eine Datanorm-Lieferung ist meist ein ZIP-Archiv mit mehreren Textdateien. Die Dateinamen sind weitgehend festgelegt[1:3]:

Datei Inhalt Brauchst du sie?
DATANORM.001 (bis .999) Artikel: Nummer, Kurz- und Langtext, Einheit, Preis, Rabatt- und Warengruppe immer
DATPREIS.001 (bis .999) Preise bzw. Preisänderungen wenn vorhanden – sonst fehlen oft die Preise
DATANORM.RAB Rabattgruppen mit deinen Rabattsätzen ja, sonst rechnest du mit Listenpreisen
DATANORM.WRG Warengruppen (Sortimentsstruktur) optional
DATASETS.001 Sets und Stücklisten selten genutzt

Die Endung .001, .002 usw. zählt durch, wenn eine Lieferung auf mehrere Dateien verteilt ist. Wichtig ist: Alle Dateien einer Lieferung gehören zusammen. Wer nur DATANORM.001 einliest, hat zwar alle Artikel, aber womöglich keine Preise und keine Rabatte.

Die Satzarten: Was steht in einer Datanorm-Datei?

Eine Datanorm-Datei besteht aus Zeilen, den sogenannten Sätzen. Der erste Buchstabe jeder Zeile verrät, was drinsteht:

Satzart Bedeutung Was du davon hast
V Vorlaufsatz Absender, Datum, Version, Währung – der „Briefkopf“ der Datei
A Artikelsatz Artikelnummer, Kurztexte, Einheit, Preis, Preiseinheit, Rabattgruppe
B Artikel-Zusatzsatz EAN, Matchcode, Katalogseite, Kupfergewicht
T, D, E Text- und Einfügesätze Langtexte für deine Positionsbeschreibung
P Preissatz (DATPREIS) neue oder geänderte Preise
R Rabattsatz (.RAB) Rabatt je Rabattgruppe
S Warengruppensatz (.WRG) Bezeichnungen der Warengruppen
Z Zu- und Abschläge z. B. Rohstoffzuschläge (Kupfer, Messing) oder Staffeln
J, C, G Sets, Merkmale, Grafikverweise Stücklisten, technische Merkmale, Bild- und Dokumentlinks (v. a. Datanorm 5)

Jeder Artikel-, Text- und Preissatz trägt außerdem ein Verarbeitungskennzeichen: N für neu, A für Änderung, L für Löschung und – in Datanorm 4 – X für eine geänderte Artikelnummer. Daran erkennt die Software, was sie mit dem Satz tun soll.

Erstlieferung und Änderungslieferung

Großhändler liefern in der Regel einmal den kompletten Katalog (Erstlieferung, oft „Erstausstattung“ oder „Artikelstamm komplett“ genannt) und danach in regelmäßigen Abständen nur noch Änderungen: neue Artikel, geänderte Preise, gestrichene Artikel.

Das hat eine Konsequenz, die viele unterschätzen: Eine Änderungslieferung ist kein vollständiger Katalog. Liest du sie mit „alles ersetzen“ ein, schrumpft dein Katalog auf die paar hundert geänderten Artikel. Eine Änderungslieferung wird deshalb immer auf den bestehenden Katalog eingespielt – nur die Erstlieferung ersetzt ihn.

Datanorm 4 und Datanorm 5 – die Unterschiede

Datanorm 5 ist seit 1999 veröffentlicht, trotzdem liefern viele Großhändler bis heute Datanorm 4 – für reine Artikel- und Preisdaten reicht das völlig[2:1]. Die wichtigsten Unterschiede:

Datanorm 4 Datanorm 5
Vorlaufsatz feste Länge (128 Zeichen) Felder durch Semikolon getrennt, nennt den Inhalt der Datei
Artikeldaten auf A- und B-Satz verteilt im A-Satz zusammengefasst, B-Satz nur noch für Löschungen und Nummernänderungen[2:2]
Preiseinheit als Code (0 = je 1, 1 = je 10, 2 = je 100, 3 = je 1.000) als Zahl (1, 10, 100, 1000)
Preis „auf Anfrage“ – eigenes Preiskennzeichen
Bilder, CAD, Videos – Grafikverweise über den G-Satz[2:3]
Dateiende – Endsatz mit Satzanzahl zur Vollständigkeitsprüfung[2:4]

Für dich als Handwerker heißt das: Frag nicht nach einer bestimmten Version, sondern nimm, was dein Großhändler liefert – vorausgesetzt, deine Software kann beides. Besonders tückisch ist die Preiseinheit: Liest ein Programm eine Datanorm-5-Datei wie Datanorm 4, liegen die Preise um den Faktor 10 bis 1.000 daneben.

Preise in Datanorm: Vom Listenpreis zum Einkaufspreis

In den meisten Datanorm-Lieferungen steht beim Artikel ein Listenpreis (Bruttopreis) und eine Rabattgruppe. Deinen persönlichen Rabatt je Rabattgruppe liefert die Datei DATANORM.RAB. Manche Großhändler liefern stattdessen direkt Nettopreise – dann ist der Einkaufspreis schon fertig.

Beispiel: Mantelleitung, Listenpreis 89,00 € je 100 m, Rabattgruppe mit 42 %.

Schritt Rechnung Ergebnis
Listenpreis je Preiseinheit 89,00 € je 100 m 89,00 €
Preis je Meter 89,00 € ÷ 100 0,89 €/m
Rabatt aus Rabattgruppe 0,89 € × 42 % − 0,37 €/m
Einkaufspreis (EK) 0,89 € × 0,58 0,52 €/m
Verkaufspreis mit 30 % Materialaufschlag 0,52 € × 1,30 0,67 €/m

Drei Stolperfallen, die in der Praxis immer wieder Geld kosten:

  1. Preiseinheit übersehen. 89,00 € je 100 m ist nicht 89,00 € je Meter. Wer die Preiseinheit ignoriert, verkauft den Meter für das Hundertfache – oder kalkuliert ein Angebot, das kein Kunde annimmt.
  2. Rabattdatei fehlt. Ohne DATANORM.RAB hält die Software den Listenpreis für deinen Einkaufspreis. Dein Aufschlag rechnet dann auf einer zu hohen Basis – dein Angebot wird zu teuer.
  3. Rohstoffzuschläge. Bei Kabeln und Messingteilen kommen oft Kupfer- oder Metallzuschläge hinzu, die vom Tageskurs abhängen. Sie stehen nicht im Grundpreis. Prüfe bei kupferlastigen Positionen den aktuellen Preis beim Großhändler.

Wie du Aufschlag und Marge sauber trennst, erklärt unser Artikel zum Materialaufschlag. Rechnen kannst du es direkt mit dem Materialaufschlag-Rechner.

Datanorm beim Großhändler anfordern

Die meisten Großhändler bieten Datanorm im Kundenportal zum Download an, oft unter Begriffen wie „Datenservice“, „Artikelstammdaten“ oder „Downloads“. Findest du nichts, frag deinen Außendienst oder den Innendienst. Damit du die richtigen Daten bekommst, nenne vier Dinge:

  • Kundennummer – damit deine Konditionen (Rabattgruppen oder Nettopreise) enthalten sind
  • Erstlieferung – beim ersten Mal den vollständigen Artikelstamm, danach Änderungslieferungen
  • Sortiment – den kompletten Katalog oder nur bestimmte Bereiche (z. B. nur Sanitär)
  • Format – Datanorm 4 oder 5, je nachdem, was deine Software liest

Mailvorlage zum Kopieren:

Betreff: Datanorm-Daten für Kundennummer [deine Kundennummer]

Guten Tag,

für unsere Handwerkersoftware benötigen wir Ihren Artikelstamm im Datanorm-Format (Version 4 oder 5).

Bitte senden Sie uns eine Erstlieferung mit dem vollständigen Sortiment einschließlich Preisdatei (DATPREIS) und Rabattgruppen (DATANORM.RAB) mit unseren Konditionen. Gern auch als Download-Link oder Zugang zu Ihrem Datenportal.

Außerdem interessiert uns, in welchem Rhythmus Sie Änderungslieferungen bereitstellen und wo wir diese abrufen können.

Vielen Dank und freundliche Grüße [Name, Firma, Telefon]

Datanorm, IDS-Connect, UGL, OCI und Open Masterdata im Vergleich

Rund um den Großhandel gibt es mehrere Standards, die oft verwechselt werden. Sie lösen unterschiedliche Aufgaben:

Standard Was es ist Typischer Einsatz
Datanorm Dateiformat für den kompletten Artikelstamm Kalkulieren mit dem ganzen Sortiment in der eigenen Software
IDS-Connect Live-Verbindung zwischen Software und Webshop des Großhändlers[4] Warenkorb ins Angebot übernehmen, aktuelle Preise und Verfügbarkeit, Bestellung
UGL Belegformat für den Austausch von Anfragen, Angeboten, Bestellungen, Lieferscheinen und Rechnungen Belegaustausch, vor allem im SHK-Großhandel
OCI „Open Catalog Interface“ – Webshop-Anbindung, verbreitet bei Industrie- und ERP-Systemen ähnlich wie IDS: Warenkorb aus dem Shop übernehmen
Open Masterdata Online-Schnittstelle für Artikelstammdaten einzelne Artikel mit Bildern und Dokumenten abrufen

Für die meisten Betriebe ist die Kombination aus Datanorm und IDS-Connect ideal: Datanorm für das schnelle Kalkulieren mit dem ganzen Sortiment, IDS-Connect für tagesaktuelle Preise und die Bestellung beim Großhändler. Mehr dazu in unserem Artikel zu IDS-Connect im Handwerk.

Typische Fehler beim Datanorm-Import

  1. Änderungslieferung als Komplettkatalog eingelesen – der Katalog schrumpft auf die geänderten Artikel.
  2. Nur DATANORM.001 hochgeladen – Preise aus DATPREIS und Rabatte aus .RAB fehlen.
  3. Updates vergessen – wer ein Jahr lang keine Änderungslieferung einspielt, kalkuliert mit alten Preisen. Plane einen festen Termin, z. B. monatlich.
  4. Kaputte Umlaute – Datanorm-Dateien nutzen eine alte DOS-Zeichenkodierung (Codepage 850). Öffnet man sie in Excel oder einem Editor, wird aus „Gehäuse“ schnell „Geh„use“. Eine Handwerkersoftware mit Datanorm-Import rechnet das korrekt um.
  5. Katalog und eigene Stammdaten vermischt – Hunderttausende Großhandelsartikel in den eigenen Materialstamm zu kippen macht die Materialverwaltung unübersichtlich. Besser: Katalog getrennt halten und nur übernehmen, was du wirklich verwendest.

Datanorm in Hawepro

In Hawepro lädst du Datanorm-Kataloge selbst hoch – Datanorm 4 und 5, als ZIP oder einzelne Dateien. Hawepro erkennt Version und Dateitypen automatisch, verrechnet Rabattgruppen und Preiseinheiten und hält die Kataloge getrennt von deinen eigenen Materialien. Im Angebot klickst du auf Material suchen und findest Artikel aus allen Katalogen gleichzeitig – mit Einkaufspreis, Verkaufspreis nach deiner Preisregel und Langtext. Änderungslieferungen spielst du per Klick ein, ohne den Katalog neu aufzubauen.

Zur Datanorm-Schnittstelle in Hawepro

FAQ: Häufige Fragen zu Datanorm

Was ist Datanorm?

Datanorm ist ein standardisiertes Dateiformat für Artikelstammdaten. Hersteller und Großhändler liefern damit Artikelnummern, Texte, Einheiten, Preise sowie Rabatt- und Warengruppen an Handwerksbetriebe, deren Software die Daten einliest.

Was ist der Unterschied zwischen Datanorm 4 und Datanorm 5?

Datanorm 5 fasst die Artikeldaten in einem Satz zusammen, gibt die Preiseinheit als Zahl statt als Code an und kann auf Bilder und Dokumente verweisen. Datanorm 4 ist schlanker und für reine Artikel- und Preisdaten weiterhin verbreitet. Eine gute Handwerkersoftware liest beide Versionen.

Was ist DATPREIS?

DATPREIS.001 ist die Preisdatei einer Datanorm-Lieferung. Sie enthält neue oder geänderte Preise zu den Artikeln aus DATANORM.001. Viele Großhändler liefern die Preise ausschließlich über diese Datei – ohne sie hätten die Artikel keinen Preis.

Wie oft sollte ich Datanorm-Daten aktualisieren?

So oft, wie dein Großhändler Änderungslieferungen bereitstellt – meist monatlich oder quartalsweise. Spätestens nach größeren Preiserhöhungen solltest du die aktuelle Lieferung einspielen.

Kann ich eine Datanorm-Datei mit Excel öffnen?

Datanorm-Dateien sind Textdateien und lassen sich in jedem Editor öffnen. Datanorm 5 kannst du in Excel als semikolongetrennte Datei importieren. Sinnvoll lesbar ist das aber kaum: Preise stehen in Cent, Texte sind auf mehrere Sätze verteilt und Umlaute erscheinen ohne Umrechnung falsch. Für die tägliche Arbeit gehört Datanorm in deine Handwerkersoftware.

Brauche ich Datanorm, wenn ich IDS-Connect nutze?

Nicht zwingend, aber beides ergänzt sich. Mit IDS-Connect übernimmst du einen Warenkorb aus dem Webshop. Mit Datanorm hast du das komplette Sortiment direkt in deiner Software und kalkulierst ohne Umweg über den Shop – auch der KI-Angebotsassistent von Hawepro kann darin suchen.

Quellen und Fußnoten

  1. Wikipedia: Datanorm, https://de.wikipedia.org/wiki/Datanorm ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  2. DATANORM – Version 5, https://www.datanorm.de/DATANORM/DATANORM5 ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  3. DATANORM – Das Standardverfahren für den Artikel-/Stammdatenaustausch, https://www.datanorm.de/ ↩︎

  4. ITEK: IDS Connect, https://www.itek.de/wissen/verzeichnis-branchenstandards/ids-connect ↩︎