Materialaufschlag im Handwerk – wie viel ist üblich?
Warum du Material nie zum Einkaufspreis weitergeben solltest, welche Aufschläge üblich sind und wie du Aufschlag und Marge nicht verwechselst.

Was ist der Materialaufschlag?
Der Materialaufschlag ist der prozentuale Zuschlag, den du auf den Netto-Einkaufspreis eines Materials rechnest, bevor du es an deinen Kunden weiterberechnest. Er ist kein „Extra-Gewinn“. Er deckt echte Kosten, die mit jedem Material entstehen:
- Beschaffung: Preise vergleichen, bestellen, Lieferungen prüfen und reklamieren.
- Lager und Transport: Lagerfläche, Fahrten zum Großhandel, Kleinmengenzuschläge.
- Verschnitt und Bruch: Material, das beim Einbau verloren geht.
- Vorfinanzierung: Du bezahlst den Großhändler oft, bevor dein Kunde dich bezahlt.
- Gewährleistung: Du haftest für das eingebaute Material, nicht der Großhändler.
Welcher Materialaufschlag ist üblich?
Eine gesetzliche Vorgabe gibt es nicht. In der Praxis haben sich je nach Materialart unterschiedliche Größenordnungen etabliert:
| Materialart | Typischer Aufschlag |
|---|---|
| Großteile mit hohem Einkaufswert (z. B. Heizkessel, Fenster) | 10–20 % |
| Standardmaterial (z. B. Fliesen, Farbe, Rohre) | 15–30 % |
| Kleinteile und Befestigungsmaterial | 30–100 % |
| Vom Kunden beigestelltes Material | kein Aufschlag, aber Handlingpauschale möglich |
Die Werte sind Orientierung, keine Branchenstatistik. Entscheidend ist, dass dein Aufschlag deine tatsächlichen Kosten deckt. Der Materialaufschlag-Rechner zeigt dir für jeden Artikel sofort Verkaufspreis, Rohertrag und Marge.
Aufschlag und Marge – der teure Unterschied
Der Aufschlag bezieht sich auf den Einkaufspreis, die Marge (Handelsspanne) auf den Verkaufspreis. Beide beschreiben denselben Euro-Betrag, aber mit unterschiedlicher Basis:
Aufschlag = (VK − EK) ÷ EK, Marge = (VK − EK) ÷ VK
Beispiel: EK 100 €, VK 125 € → 25 % Aufschlag, aber nur 20 % Marge
Wer sich 25 % Marge vornimmt und 25 % aufschlägt, verdient an jedem Material ein Fünftel weniger als geplant. Umrechnen kannst du so: Aufschlag = Marge ÷ (100 − Marge) × 100. Für 25 % Marge brauchst du also 33,33 % Aufschlag.
So setzt du den Materialaufschlag richtig ein
- Mit dem echten Einkaufspreis rechnen. Großhandelsrabatte und Boni gehören in deine Marge. Rechne den Aufschlag deshalb auf den Netto-Einkaufspreis nach Rabatt.
- Nach Warengruppen staffeln. Ein einheitlicher Aufschlag für alles ist bei teuren Geräten zu hoch und bei Kleinteilen zu niedrig.
- Preise aktuell halten. Veraltete Einkaufspreise fressen deinen Aufschlag auf, bevor du es merkst. Mit IDS-Connect holst du tagesaktuelle Preise direkt vom Großhandel.
- Lohn und Material trennen. Der Materialaufschlag deckt Materialkosten, dein Stundenverrechnungssatz deckt Löhne und Gemeinkosten. Vermische beides nicht, sonst verlierst du den Überblick.
Materialaufschlag in Hawepro
In Hawepro hinterlegst du für jedes Material einen Aufschlag in Prozent. Der Verkaufspreis wird automatisch berechnet und in jede Angebotsposition übernommen. Ändert sich der Einkaufspreis, passt sich der Verkaufspreis an. Deine Materialverwaltung bleibt so aktuell, ohne dass du nachrechnen musst.